Brauchen wir ein Gesetz zur Gleichstellung im Erwerbsleben?
„Zu viele Männer sind schlecht fürs Geschäft“, sagt die schwedische Politikerin Gudrun Schyman.
Sie beruft sich dabei auf Studien der Universität Uppsala, nach der es einen Zusammenhang zwischen Rendite und Frauenquote gibt. Unterstützung erfährt Schyman von dem Patriarchen der weltbekannten Unternehmerfamilie Wallenberg: „Wir glauben, dass ein Gleichgewicht zwischen den Geschlechtern ein besseres Betriebsergebnis bringt.“
Der norwegische Staat hat daraus die Konsequenz gezogen. Per Gesetz müssen schon seit Anfang 2008 alle norwegischen Aktiengesellschaften der Osloer Börse mindestens 40 Prozent weibliche Aufsichtsräte ausweisen. Andernfalls drohen harte Strafen bis hin zur Auflösung des Unternehmens. Auf Basis von Freiwilligkeit hätte das Erreichen der Quote von 40 Prozent 30 Jahre länger gedauert! Zum Vergleich kommen die 200 größten deutschen Unternehmen ohne Gesetz nur auf eine Quote von 7,8 Prozent weiblicher Aufsichtsräte.
Nicht nur bei Spitzenarbeitsplätzen liegt in deutschen Firmen vieles im Argen. Frauen erhalten immer noch im Mittel rund 23 Prozent weniger Lohn für ihre Arbeit – trotz ihrer nicht selten besseren Qualifikation. Zudem wird allzu häufig getrickst. Um sich den Anschein der Gerechtigkeit zu geben, wird auch von Unternehmerseite oft von „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ gesprochen. Aber dann sind sogenannte typische Männerarbeiten plötzlich „nicht vergleichbar“ mit ähnlichen Arbeiten, die vorwiegend von Frauen ausgeführt werden. Und schon hat man einen Dreh gefunden, Männer besser zu entlohnen als Frauen. Besser muss es also heißen „gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit“. Dann wird es enger für die Tricksereien gegen Gleichbehandlung von Männern und Frauen.
Zweifellos hängt die Möglichkeit zur Gleichstellung von Männern und Frauen nicht nur von gesetzlichen Quotenregelungen ab. So muss die Sozialpolitik Möglichkeiten schaffen, dass Eltern nach eigenem Entschluss Familien- und Lohnarbeit optimal organisieren können. Aber Mängel unserer Sozialpolitik betreffen Frauen und Männer gleichermaßen.









