„Ich hab es in der Zeitung gelesen“ war einmal ein überzeugendes Argument. In Zeiten der riesigen Medienvielfalt ist dies leider nicht mehr ausreichend. Hierzu zwei aktuelle Fälle.
Aufgrund einer Meldung der Deutschen Presseagentur dpa berichteten landauf landab fast alle Medien über die Wirtschaftskompetenz des neuen Bundeswirtschaftsministers Guttenberg (CSU). Diese Kompetenz habe er sich als Chef eines mittelständischen Unternehmens erarbeitet. Dann recherchierte ein Magazin des NDR hierzu sorgfältig nach. Herr Guttenberg hat laut Handelsregister eine Firma mit drei Beschäftigten geleitet, deren Zweck war „…. die Verwaltung des eigenen Vermögens.“ Die Firma existiert schon seit fünf Jahren nicht mehr. Inzwischen hat sich dpa für ihre Falschmeldung bei ihren Kunden entschuldigt. Aber kaum eine Zeitung gab diese Entschuldigung angemessen oder überhaupt weiter.
- Das ehemalige „Sturmgeschütz“ der freien Presse in Deutschland, Der Spiegel, berichtete kürzlich über eine angebliche Luxusreise von Umweltpolitikern des Bundestages nach Afrika. Besonders angegangen wurde in dem Artikel die Grüne Sylvia Kotting-Uhl. Wahrscheinlich von der Spiegel-Behauptung abgeleitet, erschienen mehrere Zeitungsartikel und auch in recht markigen Worten ein Leserbrief in der Braunschweiger Zeitung. Kotting-Uhl, die sich erst kurzfristig im Grundsatz bereit erklärt hatte, die Reise nach Afrika mitzumachen, wollte den exakten und endgültigen Reiseplan mit allen Gesprächsterminen, allen Besichtigungen von auch mit deutschem Geld geförderten Maßnahmen und allen sonstigen Reisedaten zur öffentlichen Kontrolle ins Internet stellen. Dies wurde ihr von der Bundestagsverwaltung verwehrt, worauf Kotting-Uhl die Reise absagte. Der Bild-Zeitung war diese Absage immerhin ein „Top des Tages“ wert („Echt cool, Frau Kotting-Uhl!“). In anderen Zeitungen bislang Fehlanzeige.
Ich werde auch zukünftig „Zeitungs-Junkie“ bleiben. Aber wie gesagt, Zeitunglesen wird immer schwieriger.
Dr. Helmut Blöcker, Braunschweig








